Meine Haltung zu “Yaoi, Shonen-Ai und Bara”

Vor ein paar Tagen fand ich einen Tweet von miichan in meiner Timeline, in dem sie nach Meinungen zu “Yaoi, Shonen-Ai und Bara” fragt. Da ich das Thema Boys’ Love im weiteren Sinne in diesem Blog schon öfter angerissen habe, ist es nun wohl die perfekte Gelegenheit um meine Position zum im Allgemeinen darzulegen.

Meine erste Boys’ Love-Reihe war Kazuma Kodakas Kizuna, und ich erinnere mich noch genau wie ich schon lange mit dieser verführerisch-verrucht eingeschweißten und mit dickem roten “Empfohlen ab 16!”-Sticker versehenen Reihe geliebäugelt hatte. Der Kauf stellte sich als goldrichtig heraus und so begleiteten Ranmaru und Kei (und natürlich auch die anderen Paare der Reihe) einen Großteil meiner Pubertät. Während meine damalige Manga-lesende Schulfreundin auch schnell Gefallen an eher romantisch orientierten Reihen wie Yami no Matsuei oder Gravitation fand, musste es für mich in einem Band erst richtig zur Sache gehen, bevor ich eine Serie interessant fand. Auch das heutzutage in vielen Serien beliebte Queerbaiting durch massenweise homoerotischen Subtext (looking at you, Free!) ließ und lässt mich auch immer noch gähnend zurück.

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Mit dem Ende der Pubertät endete dann auch (vorerst) meine Vorliebe für Boys’ Love. In eben dem Maße wie mein geistiger Horizont sich erweiterte, erkannte ich wie künstlich und inszeniert die Szenarien und Konstellationen im Manga tatsächlich waren. Dass ich auf diese plakative Art von Pornografie gestanden hatte, war mir nahezu peinlich, und mein Lesefokus wandte sich zu düster-actionlastigen Reihen wie Alichino, .hack oder Pet Shop of Horrors und die Schmuddelbände verschwanden hinter der untersten Schranktür. Auf Boys’ Love sah ich tendenziell eher herab und schmähte Fanworks und auch Doujinshi ob ihres schlechten Realismus und ihrer konstruierten Szenarien.

Irgendwann gegen Ende meines Studiums passierten dann mehrere Dinge: Zum Einen meine persönliche Erkenntnis, nicht heterosexuell zu sein und zum Anderen mein zunehmend proportional zum Twitterkonsum steigender Kontakt mit Queerfeminismus und Queer Theory. Passend von Zeit zu Zeit eingestreute feministisch geprägte Diskussionen in der Animexx-Bloggerszene (vielen Dank an dieser Stelle an Zeparu, Aza, Sia, Bro und einige andere) entfachten mein Interesse an der Thematik erneut. Diesmal nicht als reiner Konsument, sondern auch als Analyst, als Hinterfrager. Ich machte mir klar, was genau eigentlich nicht an den klischeehaften Boys’ Love-Darstellungen vieler Autorinnen stimmte, die mich schon so lange ärgerten. Ich fing an mir bewusst zu machen, auf welchem schmalen Grat zwischen Empowerment und Fetisch sich Boys’ Love als Werk weiblicher Autoren eigentlich bewegt. Und überraschenderweise fand ich auch meinen Zugang zum Genre wieder.

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Mittlerweile muss ein Boys’ Love-Comic für mich aus mehr als nur Sex bestehen, ich bin sogar überaus okay damit, sollte es gar niemals nie zum Sex kommen. Weitaus wichtiger sind für mich die Darstellung einer glaubhaften Welt mit glaubhaften Charakteren und vor allem Nebencharakteren. Dank aquabox bin ich mittlerweile ein Fan des Slow Burn, der sich behutsam entwickelnden, auch mal Rückschritte machenden Liebesgeschichte zwischen zwei Charakteren, und bezüglich der Fetisch-Thematik gehe ich manchmal sogar soweit, Boys’ Love einfach als “Romantik” zu bezeichnen, denn eigentlich ist es die (zugegebenermaßen queere) Romantik zwischen zwei Charakteren, die mir wichtig ist, und nicht das Geschlecht ebendieser. Die Tatsache, dass ich mich (unter anderem) als Girlfag identifiziere macht das Ganze wieder etwas verzwickter, aber dazu an anderer Stelle demnächst™ mehr.

Was mich an “klassischem” Boys’ Love ebenfalls nicht mehr anspricht, ist die Shojo-geprägte Ästhetik der Charaktere, deswegen habe ich vor nicht allzu langer Zeit mal einen Blick in Richtung Gay Manga (im Westen auch oft unter der veralteten (fremd-)Bezeichnung Bara bekannt) geworfen. Wenn schwule Zeichner die Liebe zwischen zwei Männern darstellen, fallen die Charaktere in der Regel deutlich massiger aus. Muskeln, Fett, Körperbehaarung — von allem gibt es mehr im Gay Manga, und angesichts des androgynen Ideals im weiblich geprägten Boys’ Love-Genre ist mir diese Art von Körpervielfalt mehr als willkommen. Gengoroh Tagames BDSM-Geschichten sind mir etwas zu hart, aber sein Mainstream-taugliches My Brother’s Husband steht bei mir weit oben auf der Wunschliste. Die augenzwinkernden Kurzgeschichten von Inu Yoshi haben es mir gleichermaßen angetan, auch wenn diese regelmäßig mit Sex enden.

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Ich wünsche mir nicht nur mehr Gay Manga im Westen, sondern auch mehr Sekundärliteratur zum Genre im Allgemeinen und zur Kooperation und Koexistenz mit dem von Frauen für Frauen gezeichneten Boys’ Love im Speziellen. Für einen Überblick zu Gay Manga in Japan und den prominentesten Autoren kann ich die Doku-Anthologie MASSIVE: Gay Erotic Manga and the Men Who Make It an dieser Stelle wärmstens empfehlen.

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Podcast-Empfehlungen

Erst einmal vorneweg: Ich bin kein Podcast-Mensch, ich höre sie nicht gern weil ich dabei wenig anderes machen kann und bin eher einer von diesen altertümlichen Text-Menschen (vielleicht schreibe ich auch gerade deshalb einen Blog-Artikel über dieses Medium). Dennoch gab es vergangene Woche zwei Anlässe, in denen ich doch meine Unmut überwunden habe und mir Podcasts, natürlich über Comics, angehört habe.

Ein spannender Neustart hat sich mit dem Zeichnerrunde-Podcast aufgetan. Die Indie-Zeichnerinnen Mullana und Norchen planen etwa eine Folge pro Monat in der sie sich gegenseitig Neuerscheinungen aus der Szene vorstellen, über aktuelle Conventions und Social Media-Aktionen sprechen und in jeder Folge einem Kernthema ausführlich Platz bieten, diesmal waren es Zeichenmaterialien.

Auch wenn die Diskussion über Papier und Marker nicht gerade mein Thema war, finde ich den Podcast eine gute Sache. Während es im klassischen Comic-Segment sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zahlreiche Podcasts gibt, ist dies für die Manga-Sparte doch noch eher ein exotisches Medium und so freue ich mich, dass Mullana und Norchen diese Lücke nun mit Bravour schließen.

Der Zweite Podcast, über den ich hier schreiben möchte kommt aus dem bereits erwähnten US-zentrischen Comicspektrum, es handelt sich um die neueste Spezialausgabe von El Nerderinos Eingetütet-Podcast zum Thema “Frauen in der Welt der Comics”. Da ich bei der Formulierung “Welt der Comics” immer von der ganzen Welt ausgehe, war ich etwas enttäuscht, dass Asien wirklich nur ganz klitzeklein am Rande erwähnt wurde, aber die Expertise der wundervollen Lara, die für das Spezial eingeladen wurde, hat mich schnell darüber hinweggetröstet. Leider ist der Cast auch mit gut drei Stunden arg lang geworden, aber dank des Inhaltsverzeichnis in den Shownotes gut teilbar. Die Rezensionen am Anfang habe ich direkt übersprungen (die hätte man auch in eine reguläre Folge auslagern können), danach ging es direkt los mit einem umfangreichen historischen Überblick durch die verschiedenen Comic-Äras, von denen ich auch erst so richtig durch diesen Podcast erfahren habe. Wenn man sich im Superheldensegment nicht ganz so gut auskennt, ist es etwas schwer der Plauderrunde nebenbei zu folgen, aber wenn man die Gelegnheit hat während des Hörens den einen oder anderen Namen nachzuschlagen ist das bei dem gemäßigten Tempo gut machbar. Im dritten Teil der Folge gibt es dann eine Diskussion aktueller Thematiken und Initiativen und zum Schluss nochmal ein paar Tipps für Lesestoff mit weiblichen Hauptfiguren.

Auch wenn die Folge wegen ihrer Länge doch sehr sperrig ist, empfehle ich mal reinzuhören. Die drei Caster achten sehr darauf, nicht allzu viel Vorwissen vorauszusetzen und zum mindest ich habe dabei noch einiges gelernt. Gerne mehr davon!

In den nächsten Wochen wird es noch einen weiteren neuen Podcast über Manga geben, das Café Nippon. Hier hat sich El Nerderino unter anderen mit Mia von House of Animanga zusammengetan und ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommen wird. Vielleicht muss ich dann in Zukunft öfter mal einen dieser verhassten Podcasts hören 😉

 

Das Line-up der LBM/MCC 2018 Artist Alley

Um die Neuerscheinungen zur kommenden Leipziger Buchmesse etwas besser im Blick behalten zu können, habe ich hier schonmal auf Basis der Auslosung eine Liste der Künstler*innen zusammengetragen, die für einen Platz in der Zeichnermeile ausgelost wurden.

Wenn ich wieder etwas Zeit habe, verlinke ich hier auch die restlichen Künstlerpräsenzen auf Facebook oder Twitter. Tipps sind wie immer gern gesehen 🙂

Sassi-Panda
NUUKY
Stephanie Männer Illustration
Namakemono – Stamps & Illustration
Ta Moè
Kacha
Kiriya Kirihara
Kingdom Down
GILE
Carolins Kunst
Oldschool Girl
Cottoneeh
AT-Studio
pietmaen
Viv Tanner
Ellen Chain
Dragonfly
Sarah Borowik
Zumi
Alyss & Studio Mugen
anni.abstract
chibikurai
synticfaye
hootd
Steffanie Rainbow
Marianna Poppitz
Lithium
MangaPocky
Daria Artworks
ChershireHatter
Takoshiro
kackapower
Pepes-pen
Brown sugar macchiato
Tuttibird
Reetha
tiny caw
Yereza Hei’an
nao
V-rus28
BL-LIPS
Zylk
Kialeinchen
DarkTownArt
Ebonyy
Ciura
Rinaii
Sascha Viewers
Mohnfuchs
KishiShiotani
Harutsubomi-chan
Wolveruss
Cleo Cater
Rambutan Illustration
Menyou
Shitsumon
FeytheHunter
ZIPAVIKA
Biotiful Art
radacs
Arisu paints
Erdbeerblümchen
D.N.Mai
Kalay Fashion
Isogie
liquidBlossom
Pearsfears
Victoria Fuyu
Zenyah & Ratsey
Sae’s Wonderland
Zan
MineColor
Martha Wernio Illustration
XMenouX
Mizuru
Shiba-sama
SasuArt
KeyD
Schnee
jen_tsukase
Genji Otori
vanlau
Yupinachii
CYPRINUS & DERYL
Crimzon
Unicate
Valeyla & Turtle Art
Nönchen
Suri
Majinchris
Gabriel deVue
naachi
Aishishi
Psychomiez
Bonny Rumsfield
Fiothin
Glacernon
Yuu Yano Art
LIAN
Risu
Unessbar
Christian Klement Illustration
Sereg
Taylaa Art
Jasmin
Yassiechan
Asmodis
SeductionParade
Senaeke
weishi
MK Artworks
Miniscule.artwork
Holix
Ban Zarbo
KoolFool
Kyoko & Mukuu
Eyslyn-Sternenreh
AnnieFliesAway
Delonixx
beescuit
Studio Appeltjesgroen + voxune
Akikosart
Buneady
a-chan
On3Shot3r
Otomo-san
Fervorcraft
Rei Kashino
Mimisaurus
Tamikuro

Und hier die ersten zwanzig Künstler*innen auf der Warteliste, in Nachrückreihenfolge:

Mana – Kyusai
Ro-Se
Dead-Line-Karasu
GiddyGalley
Lina Mariko
EvaYabai
Puddel Jumper
OberMelone
Le Petit Four
Seaquential Arts
Sion
Kaizumi
Rote Ronja
Alasia
DarkSunsetx
DarkSena
aquabox
Hiro Strigoi
Marie-Luiese van Bensharel
Jugi

Was ich las: Heirs of the Veil

Phineas Kaldinski und Jesse Klier machen schon lange gemeinsam Comics, und so existierte die Geschichte zu Heirs of the Veil auch schon länger, als es die Print-Neuerscheinung des ersten Bandes suggeriert. Unter dem Namen “Strayer” begannen die beiden schon in 2012, die Fantasy-Geschichte um den Ordnungshüter Cortez und seine beseelte Waffe, die sich in der Neuauflage von einem doch recht fantasy-klobigen Schwert zu einer schlanken Gleve gewandelt hat.

Und auch sonst tut der Reboot der Serie überaus gut. Das ganze Setting wirkt deutlich durchdachter und stimmiger, die Stadt Port Arbores wirkt wie aus einem Guss (was nicht zuletzt an den beeindruckend detaillierten Hintergründen liegt, die auch einige Verlagszeichner in den Schatten stellen). Die Farbkomposition ist überaus stimmig und die Charaktere sind so schön vielfältig, gut gezeichnet und vor allem coloriert, dass der Comic teilweise auch aus Standbildern einer Animationsserie bestehen könnte. 

Inhaltlich folgt die Story nun nicht mehr in erster Linie dem Strayer Cortez, sondern der jungen Hexe Victoria, die auf Anweisung ihrer Mutter nach Port Arbores geschickt wird, um eine mysteriöse Person zu finden. Das erste Kapitel schafft es gut, die wichtigen Charaktere vorzustellen und neugierig auf mehr zu machen.

Einziger Makel am ersten Band von Heirs of the Veil ist leider das Lettering. Die verwendete Schriftart ist leider nur mäßig lesbar und passt sich in der Größe unglücklicherweise den Sprechblasen soweit an, dass einige Bubbles nur noch wirklich schlecht zu entziffern sind. Hier hoffe ich beim nächsten Band (denn laut des Nachworts werden noch einige erscheinen) auf Besserung, an sonsten kann ich den Comic nur empfehlen.

Heirs of the Veil kann man für 10€ (zzgl Versand) bei Tentakelgottheit@web.de bestellen, neue und alte Seiten gibt es bei Tapas.

Was ich las: Kamo – Pakt mit der Geisterwelt

Mit Ban Zarbos Verlagsdebüt “Kamo – Pakt mit der Geisterwelt” rockt jetzt die zweite deutschsprachige Woman of Color — nach Nana Yaas “Goldfisch” — die Tokyopop-Eigenproduktionen (ich schreibe “deutschsprachig” und nicht “deutsch”, weil Zarbo Schweizerin ist) und auch das Verlagsdebüt “Undead Messiah” ihrer Zwillingsschwester Gin steht seit heute in den Regalen. Anlass genug, einen Blick in den ersten Band von Kamo zu werfen!

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Meine Top 5 gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Indie-Comics

Nach viel zu langer Zeit hat der deutsche Bundestag heute morgen beschlossen, dass gleichgeschlechtliche Paare nun auch richtig heiraten (und adoptieren!) dürfen, vorher war nur der Status “eingetragene Lebenspartnerschaft” möglich. Anlass genug, mal einen Blick auf gleichgeschlechtliche Romanzen in meinem Comicregal zu werfen. Hier meine Top fünf aus den Indies:

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