Meine Top 5 gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Indie-Comics

Nach viel zu langer Zeit hat der deutsche Bundestag heute morgen beschlossen, dass gleichgeschlechtliche Paare nun auch richtig heiraten (und adoptieren!) dürfen, vorher war nur der Status “eingetragene Lebenspartnerschaft” möglich. Anlass genug, mal einen Blick auf gleichgeschlechtliche Romanzen in meinem Comicregal zu werfen. Hier meine Top fünf aus den Indies:

Platz fünf: Woyzeck von Georg Büchner und Jona Roth

Dies ist die Diplomarbeit eines guten Freundes und gleichzeitig wohl das einzige Buch auf der Welt, das ich wirklich als Graphic Novel bezeichnen würde.

Büchners Drama wird in die soziale Unterschicht der heutigen Zeit versetzt, aus Marie wird der Deutschtürke Mariyan, der eine unausgesprochene, aber irgendwie doch liebevolle Beziehung mit (Kevin-Francis) Woyzeck führt, bis er in der Disco jemanden kennen lernt und Büchners Drama seinen Lauf nimmt. Woyzeck bekommt von mir “nur” Platz fünf, weil alle die den Stoff schon in der Schule durchnehmen mussten das Ende bereits kennen.

Platz vier: Let’s talk about Sex!? von Celina “Chrabi” Rode

Eine kurze süße Geschichte über die Hürden des Ersten Mals, erzählt aus der Perspektive eines Schülerinnen-Paares, als ob es das selbstverständlichste der Welt wäre. Hana und Arisu haben sich durch den Manga-Club ihrer (japanischen) Schule kennen gelernt und so ganz nebenbei vermittelt die Geschichte den Zauber von Comics. Wegen der zuckrigen Story schmerzt die Kürze des Comics umso mehr, deshalb nur Platz vier und der Wunsch nach mehr davon.

Platz drei: Gray Areas von Anita “ZombieZeemo” Pfeffer

Auch hier geht es um zwei junge Frauen, Lotte und Henri, die im selben Volleyballteam spielen. Die titelgebende Grauzone beschreibt das Phämomen, dass Küsse und ähnliche Innigkeiten zwischen Frauen oft als “Experimente” oder “erweiterte Freundschaft” angesehen werden, Henri spricht an einer Stelle selbst von “Gal-Pals”. Wann enden also nun die platonischen Spielereien und wo fängt echtes romantisches oder sexuelles Interesse an? Zeemos Protagonistin Henri tut sich in Gray Areas ähnlich schwer damit wie echte bisexuelle oder lesbischen Frauen, und das macht die Geschichte so alltäglich nachvollziehbar. Platz drei für Gray Areas.

Platz zwei: Orange Hickey Dad von Pearsfears

Für mich ist Pearsfears so etwas wie die Königin der Kurzgeschichten, und so ist es kein Wunder, dass Orange Hickey Dad in dieser Liste auftaucht. Auch in dieser Story geht es nicht nur um ein Pärchen, das sich findet, sondern auch um das Ankommen in einem neuen Lebensabschnitt. Der junge Savino ist neu in der Stadt und landet im Restaurant von Vincenzo, das er mit seiner Tochter Gianna bewirtet. Während Vincenzo dem Jungen mit dem unruhigen Magen zunächst nur Vatergefühle entgegen bringt, entwickelt sich auf Seiten Savinos schnell mehr. Gerade Gainnas Rolle in der Geschichte zeigt, dass die queere Romanze nicht in einer künstlichen Bubble, sondern in einer glaubhaften Welt spielt und dass auch der Altersunterschied der beiden Turteltauben eine echte Hürde zu sein scheint. Dazu ein wunderschönes Urlaubsflair und eine leichte, aber dennoch dramatische Erzählweise machen das Buch perfekt.

Platz eins: Aquaox von Sia und Marika “Yamiz” Paul

Superheldengeschichten sind in der Comickultur quasi Standardkost, doch im Falle von Nautic wird in dieser mittlerweile vierteiligen Reihe des dresdener Duos Sia & Yamiz eher das komplizierte Privatleben eines schüchternen jungen Mannes mit Superkräften und nahezu unendlicher Gutmütigkeit beleuchtet, als dessen Heldentaten. Die Story um Held Ced und Streuner Phil, der auch eine übernatürliche Kraft zu besitzen scheint, entwickelt sich langsam und sehr realistisch. Die beiden Protagonisten finden nur behutsam zueinander und erleiden auch den einen oder anderen (kleinen) Rückschlag. Das macht die Beziehung dynamisch und realistisch, ein umfangreicher Sidecast rund um die Superheldenorganisation HADRON INK rundet die Serie ab. Platz eins für die Aquabox!

Wer sich nun wundert, dass so bekannte Reihen wie Kamis Get Your Man, Yaas Hockey Homo oder Tentakelgottheits super queeres Heirs of the Veil hier nicht auftauchen: Meine Sammlung ist leider alles andere als vollständig und nach dieser Liste schäme ich mich eigentlich noch mehr dafür. Hinzu kommt, dass ich gerade bei Boys’ Love sehr wählerisch bin und einen Titel ohne Zweitgenre meist komplett verschmähe (Hockey Homo stehe aber trotzdem auf der Einkaufsliste, ich warte noch bis die Reihe abgeschlossen wird). Für Lesetipps bin ich aber immer sehr dankbar. Und nun ein schönes Wochenende und allen queeren Paaren, die jetzt heiraten werden alles Gute!

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s