Krimiserie zum Blättern — Touch 1+2 von HOK

Schon vor einiger Zeit erreichten mich Rezensionsexemplare der ersten beiden Hefte von Touch. Die Story aus der Feder von HOK mit Inks von Ruben Gonzalez und Veronica Gontz und Farben von Liezl Buenaventura (Heft 1) bzw. Ester Salguero (Heft 2) dreht sich um die Sonderermittlerin Johanna Maza, die mit übernatürlichen Fähigkeiten Mordfälle löst. Hier nun mein Eindruck zu der Krimi-Reihe.

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Die Geschichte — zunächst geht es um einen mysteriösen Suizid — ist solide geschrieben und bietet den Leser*innen ein gutes Gleichgewicht zwischen erklärenden Informationen und neugierig machenden geheimnisvollen Häppchen. In Sachen Dramaturgie fühlte ich mich beim Lesen sehr an eine Fernsehserie erinnert: das erste Heft kommt als Pilot daher, erzählt eine rund abgeschlossene Episode und führt alle wichtigen Charaktere ein, lässt in seiner Auflösung dagegen eine befriedigende Anzahl Fäden offen, um Lust auf den Rest der Staffel zu machen. Das zweite Heft nimmt sich dagegen mehr Zeit auf Details einzugehen und spannt einen längeren Handlungsbogen auf, der gekonnt in einem Cliffhanger mündet. Der Netflix-Habitus greift sofort, nächste Folge bitte!

Worüber man beim Lesen von Touch allerdings hinwegkommen muss, ist neben dem konservativ-patriarchischen Worldbuilding (das ich für den Rest der Review ausklammern werde) die Steifheit der Zeichnungen. Wenig Ausdruck ist man ja schon aus vielen US-Comics gewohnt, denen Touch in Aufmachung und Publikationsform nacheifern möchte, aber hier sind auch die Actionszenen sehr hölzern und teils schwierig nachvollziehbar. Es gibt (vor allem im ersten Heft) einzelne Panels, in denen die Mimik der Figuren wunderbar getroffen wurde, ich hatte deshalb die Hoffnung im weiteren Verlauf der Reihe den Künstler*innen ein bisschen beim Wachsen zusehen zu können, doch leider wird die Mimik tendenziell sogar etwas schlechter im zweiten Comic.

Die Coloration kommt mit einfachem shading daher, fast ein wenig wie in einem Trickfilm (hat da jemand Archer gesagt?). Sie passt gut zum Figurendesign und ist in der Regel eher unaufdringlich, was aber leider in einer Szene gehörig daneben geht: die Protagonistin vollführt einen Hechtsprung aus einem fahrenden Fahrzeug und landet auf Asphalt, reißt sich das Shirt auf, aber zeigt danach nicht einmal die kleinste Schramme (das mit dem halben Shirt und Brust-Anatomie sollte auch noch einmal überprüft werden, lieber Autor!). Das zerstört die Immersion gehörig und erinnerte mich beim Lesen schon fast an einen dieser herrlich lächerlich-überzogenen Bollywood-Actionclips.

Ein großes Lob gibt’s von mir noch für die schöne Idee, die establishing shots neuer Räumlichkeiten aus der Puppenhaus-Perspektive darzustellen, sodass neue Innen-Schauplätze angenehm übersichtlich eingeführt werden.

Insgesamt bin ich zwiegespalten bei dieser Reihe. Touch hat eine Menge Potenzial, scheitert aber an wichtigen Stellen, die mich beim Lesen immer wieder rauß reißen. Wer eine hohe Toleranz bezüglich Ausdrucksstärke der Figuren hat und mit dem oben angerissenen Worldbuilding klar kommt, dem würde ich die Hefte durchaus empfehlen. Alle anderen sollten lieber erstmal durchblättern vor dem Kauf.

Touch kann man über die die Website des Autors bestellen.

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