Podcast-Empfehlungen

Erst einmal vorneweg: Ich bin kein Podcast-Mensch, ich höre sie nicht gern weil ich dabei wenig anderes machen kann und bin eher einer von diesen altertümlichen Text-Menschen (vielleicht schreibe ich auch gerade deshalb einen Blog-Artikel über dieses Medium). Dennoch gab es vergangene Woche zwei Anlässe, in denen ich doch meine Unmut überwunden habe und mir Podcasts, natürlich über Comics, angehört habe.

Ein spannender Neustart hat sich mit dem Zeichnerrunde-Podcast aufgetan. Die Indie-Zeichnerinnen Mullana und Norchen planen etwa eine Folge pro Monat in der sie sich gegenseitig Neuerscheinungen aus der Szene vorstellen, über aktuelle Conventions und Social Media-Aktionen sprechen und in jeder Folge einem Kernthema ausführlich Platz bieten, diesmal waren es Zeichenmaterialien.

Auch wenn die Diskussion über Papier und Marker nicht gerade mein Thema war, finde ich den Podcast eine gute Sache. Während es im klassischen Comic-Segment sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zahlreiche Podcasts gibt, ist dies für die Manga-Sparte doch noch eher ein exotisches Medium und so freue ich mich, dass Mullana und Norchen diese Lücke nun mit Bravour schließen.

Der Zweite Podcast, über den ich hier schreiben möchte kommt aus dem bereits erwähnten US-zentrischen Comicspektrum, es handelt sich um die neueste Spezialausgabe von El Nerderinos Eingetütet-Podcast zum Thema “Frauen in der Welt der Comics”. Da ich bei der Formulierung “Welt der Comics” immer von der ganzen Welt ausgehe, war ich etwas enttäuscht, dass Asien wirklich nur ganz klitzeklein am Rande erwähnt wurde, aber die Expertise der wundervollen Lara, die für das Spezial eingeladen wurde, hat mich schnell darüber hinweggetröstet. Leider ist der Cast auch mit gut drei Stunden arg lang geworden, aber dank des Inhaltsverzeichnis in den Shownotes gut teilbar. Die Rezensionen am Anfang habe ich direkt übersprungen (die hätte man auch in eine reguläre Folge auslagern können), danach ging es direkt los mit einem umfangreichen historischen Überblick durch die verschiedenen Comic-Äras, von denen ich auch erst so richtig durch diesen Podcast erfahren habe. Wenn man sich im Superheldensegment nicht ganz so gut auskennt, ist es etwas schwer der Plauderrunde nebenbei zu folgen, aber wenn man die Gelegnheit hat während des Hörens den einen oder anderen Namen nachzuschlagen ist das bei dem gemäßigten Tempo gut machbar. Im dritten Teil der Folge gibt es dann eine Diskussion aktueller Thematiken und Initiativen und zum Schluss nochmal ein paar Tipps für Lesestoff mit weiblichen Hauptfiguren.

Auch wenn die Folge wegen ihrer Länge doch sehr sperrig ist, empfehle ich mal reinzuhören. Die drei Caster achten sehr darauf, nicht allzu viel Vorwissen vorauszusetzen und zum mindest ich habe dabei noch einiges gelernt. Gerne mehr davon!

In den nächsten Wochen wird es noch einen weiteren neuen Podcast über Manga geben, das Café Nippon. Hier hat sich El Nerderino unter anderen mit Mia von House of Animanga zusammengetan und ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommen wird. Vielleicht muss ich dann in Zukunft öfter mal einen dieser verhassten Podcasts hören 😉

 

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Was ich las: Heirs of the Veil

Phineas Kaldinski und Jesse Klier machen schon lange gemeinsam Comics, und so existierte die Geschichte zu Heirs of the Veil auch schon länger, als es die Print-Neuerscheinung des ersten Bandes suggeriert. Unter dem Namen “Strayer” begannen die beiden schon in 2012, die Fantasy-Geschichte um den Ordnungshüter Cortez und seine beseelte Waffe, die sich in der Neuauflage von einem doch recht fantasy-klobigen Schwert zu einer schlanken Gleve gewandelt hat.

Und auch sonst tut der Reboot der Serie überaus gut. Das ganze Setting wirkt deutlich durchdachter und stimmiger, die Stadt Port Arbores wirkt wie aus einem Guss (was nicht zuletzt an den beeindruckend detaillierten Hintergründen liegt, die auch einige Verlagszeichner in den Schatten stellen). Die Farbkomposition ist überaus stimmig und die Charaktere sind so schön vielfältig, gut gezeichnet und vor allem coloriert, dass der Comic teilweise auch aus Standbildern einer Animationsserie bestehen könnte. 

Inhaltlich folgt die Story nun nicht mehr in erster Linie dem Strayer Cortez, sondern der jungen Hexe Victoria, die auf Anweisung ihrer Mutter nach Port Arbores geschickt wird, um eine mysteriöse Person zu finden. Das erste Kapitel schafft es gut, die wichtigen Charaktere vorzustellen und neugierig auf mehr zu machen.

Einziger Makel am ersten Band von Heirs of the Veil ist leider das Lettering. Die verwendete Schriftart ist leider nur mäßig lesbar und passt sich in der Größe unglücklicherweise den Sprechblasen soweit an, dass einige Bubbles nur noch wirklich schlecht zu entziffern sind. Hier hoffe ich beim nächsten Band (denn laut des Nachworts werden noch einige erscheinen) auf Besserung, an sonsten kann ich den Comic nur empfehlen.

Heirs of the Veil kann man für 10€ (zzgl Versand) bei Tentakelgottheit@web.de bestellen, neue und alte Seiten gibt es bei Tapas.

Was ich las: Kamo – Pakt mit der Geisterwelt

Mit Ban Zarbos Verlagsdebüt “Kamo – Pakt mit der Geisterwelt” rockt jetzt die zweite deutschsprachige Woman of Color — nach Nana Yaas “Goldfisch” — die Tokyopop-Eigenproduktionen (ich schreibe “deutschsprachig” und nicht “deutsch”, weil Zarbo Schweizerin ist) und auch das Verlagsdebüt “Undead Messiah” ihrer Zwillingsschwester Gin steht seit heute in den Regalen. Anlass genug, einen Blick in den ersten Band von Kamo zu werfen!

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